Wie Greg Glassmann die Marke CrossFit ins Aus katapultiert

Mit einigen sehr fragwürdigen Tweets entfachte der CrossFit-Gründer und Geschäftsführer am Samstag einen Shitstorm. Nun wenden sich zahlreiche Profi-Athleten und Boxen vom Brand CrossFit ab. Was bedeutet das für die funktionelle Fitness als Ganzes?



Es brodelt in der Welt der Functional Fitness. Oder präziser: Es brodelt in der CrossFit-Welt. Top-Athletinnen und Athleten wie Tia-Clair Toomey, Jason Khalipa, Noah Olsen oder Katrin Davidsdottir wenden sich von der Marke ab oder tun zumindest ihren Unmut kund. Olsen und Chandler Smith haben bereits ihre Teilnahme an den diesjährigen CrossFit Games abgesagt. Und laut eines Artikels der britischen Daily Mail haben bis gestern Montag nicht nur rund 230 Affiliates ihre Zusammenarbeit mit CrossFit beendet – sondern auch wichtige Markenpartner wie Reebok und Rogue.

Floyd-19 wird zum Stolperstein


Was war geschehen? Am Samstag hatte ein amerikanisches Gesundheits- und Forschungsinstitut Rassismus als Gefahr für die öffentliche Gesundheit erklärt. Dies auch vor dem Hintergrund der in den USA derzeit grassierenden Proteste, welche die Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weissen Polizisten ausgelöst hatte. CrossFit-Gründer und Geschäftsführer Greg Glassmann nahm offenbar Anstoss an den Aussagen des Gesundheitsinstitutes. Und antwortete in einem Tweet sinngemäss: «Das ist Floyd-19.» Damit verglich er die brutale und wahrscheinlich rassistisch motivierte Tötung eines Menschen scherzhaft mit der Corona-Pandemie. Und doppelte direkt nach: «Euer falscher Ansatz hat uns in Quarantäne gesteckt und nun wollt ihre eine Lösung für Rassismus gefunden haben?»



Die Reaktionen kamen schnell. Und heftig. Als Glassmann am Sonntag via Social Media zurückruderte und seine Äusserungen als «nicht rassistisch, aber falsch» bezeichnete, hatten sich bereits zahlreiche Exponenten von CrossFit distanziert. Auch hierzulande nehmen CrossFit-Boxen über die Sozialen Medien von den Aussagen des CrossFit-CEO Abstand. Eine der ersten Schweizer Boxen, die auf das Thema reagierte, war CrossFit Abtwil. Box-Owner Valentino Herrera findet klare Worte: «Wir stehen zu 100 Prozent hinter dem Sport – aber überhaupt nicht hinter den Äusserungen des CrossFit-CEO.» Herrera und seinem Team gehe es wie allen Boxen darum, Menschen dabei zu helfen, gesund und glücklich zu werden. «Alter, Hautfarbe oder Geschlecht spielen dabei überhaupt keine Rolle», so der Coach. Im Gegenteil: «Wir sind stolz auf unsere bunte und lebendige Community, die Menschen aller Backgrounds vereint.» Ob die Box in Abtwil künftig Affiliate von CrossFit bleibt oder nicht, müsse man sehen. «Diesen Entscheid werden wir in den kommenden Tagen, bzw. Wochen fällen», erklärt Herrera.



Update :

Laut Boxrox haben mittlerweile 300 Boxen ihre Affiliation zu CrossFit gekappt. Befeuert wurde der Entscheid durch eine E-Mail von Greg Glassmann an Alyssa Royse. Royse hatte neun Jahre lang eine CrossFit-Box betrieben und Glassmann offenbar auf die Fragwürdigkeit seiner Posts aufmerksam gemacht. In seiner Antwort-E-Mail zweifelt der CrossFit-CEO u.a. die geistige Gesundheit von Alyssa Royse an und betont, dass er sich für sie schäme.

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