Ursula Fasel

«Ich habe gelernt, besser auf meinen Körper zu hören»

Ursula Fasel ist eine Ausnahmesportlerin: 2017 sowie 2019 nahm sie als Masters-Athletin an den CrossFit-Games in den USA teil. Damit gehört sie nicht nur zu den fittesten Frauen der Welt, sie konnte ihre Leistung zwischen den beiden Teilnahmen sogar deutlich verbessern. Wie sie diese Kräfte trotz hektischem Arbeitsalltag mobilisieren kann, warum ein sportliches Scheitern sie merklich weitergebracht hat – und warum sie sich mit ihren Muskeln zuerst anfreunden musste, wollten wir von ihr ganz genau wissen.


Text: Matthias Mehl


Mit einer Grösse von 1,64m reicht mit Ursula Fasel knapp bis an die Schulter. Als sie aber eine halbe Stunde später für unsere Filmcrew ohne eine einzige Verschnaufpause Ring-Muscle-Ups, Ropeclimbs und Burpees over the box durchführt, wird mir unmissverständlich klar: Sportlich bin ich im Vergleich zu ihr ein Zwerg. Das ist auch kein Wunder – schliesslich durfte sich Ursula Fasel während vier der vergangenen sechs Jahre als fitteste Frau der Schweiz bezeichnen. Zweimal erreichte sie diesen Status als Teil der CrossFit-Games-Kategorie «Individual Women».


Dieser sportliche Leistungsausweis ist an sich schon beeindruckend. Führt man sich zusätzlich die Tatsache vor Augen, dass Fasel keine Vollzeit-Profisportlerin ist, sondern CrossFit nebst ihrer Karriere in einer Schweizer Grossbank ausübt, rückt das ihre Performance in ein neues Licht. «Drop-In» traf die 38-Jährige Ende August in der Zürcher Box «CrossFit Vicinity» zum Interview.


Ursula, die diesjährigen CrossFit Games, die Weltmeisterschaften im CrossFit, markieren nach 2017 deine zweite Teilnahme an diesem Elite-Event. Was kommt dir als erstes in den Sinn, wenn du an die diesjährigen Games zurückdenkst?

Als erstes kommt mir mein Event-Win im Workout «The Ruck» in den Sinn – ein absolut fantastisches Erlebnis für mich! Insgeheim habe ich natürlich gehofft, dass ich, wie schon 2017, wieder einen Event würde für mich entscheiden können. Doch bekanntlich zeichnen sich die CrossFit Games ja dadurch aus, dass es viele unbekannte Faktoren gibt: So weiss man im Vorfeld weder, welche Workouts einen erwarten, noch wie der Event insgesamt ablaufen wird – oder wie stark die diesjährige Konkurrenz ist. Darum ist es schwierig, im Vorfeld eine Prognose zu wagen. Dass es letztlich für einen erneuten Event-Win gereicht hat, freut mich darum umso mehr!


2017 konntest du dir in der Masters-Kategorie «Women 35 to 39» den neunten Platz auf dem Leaderboard erkämpfen. In diesem Jahr bist du sogar auf Platz sechs vorgerückt. Worauf führst du diese Verbesserung zurück?

Es ist einiges passiert bei mir in den letzten beiden Jahren. Insbesondere auf der mentalen Ebene konnte ich merkliche Fortschritte erzielen. Das hat auch zu einem wesentlichen Teil damit zu tun, dass ich mich 2018 nicht für die Teilnahme an den CrossFit Games qualifizieren konnte. Diese Enttäuschung markierte für mich einen einschneidenden Moment in meiner Sport-Karriere. Es war so knapp gewesen! Damals war mein Fokus nicht genügend geschärft, ich war von vielen externen Faktoren abgelenkt und liess zu, dass sich bei mir Druck aufbaute. Aus dem Erlebten konnte ich aber für dieses Jahr wichtige Lehren ziehen: Zum Beispiel, dass ein Misserfolg nicht das Ende der Welt bedeutet. Im Gegenteil – man merkt, dass gar nichts Schlimmes passiert und das Leben trotz des Misserfolgs ganz normal weitergeht. Ein gesundes Selbstbild sollte nicht nur auf erbrachter sportlicher Leistung basieren. Aufgrund der Erfahrungen von 2018 war für mich in der diesjährigen Saison klar, dass ich mental bei mir bleiben und mein Ding durchziehen würde. Ebenfalls ganz wichtig: Ich setzte meinen Fokus nicht auf das Ergebnis, sondern auf den Prozess. Denn diesen kann ich beeinflussen, das Resultat hingegen nicht.


Ein spannender Ansatz. Wie hat sich dadurch deine Saison konkret verändert?

Sie hat mir deutlich mehr Spass bereitet! Denn es nützt meines Erachtens nichts, wenn man nur verbissen auf ein Resultat hinzuarbeiten versucht. So geht die Freude am Weg verloren. Darum rückte ich dieses Jahr den Prozess, sprich das Training, die Workouts und die Bewegung ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Auf diese Weise konnte ich den Weg an die CrossFit Games an sich viel mehr geniessen. Dieser Mindset erscheint mir nachhaltiger – und das Resultat spiegelt das wider.

Das volle Interview liest du in der Erstausgabe des DropIN Magazins – jetzt am Kiosk!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.