Lukas Esslinger

Einer, der ein gebrochenes Fussgelenk als Motivation nutzt


Lukas Esslinger ist ein CrossFit Games-Veteran: Bereits viermal trat der 26-jährige Zürcher gegen die anderen fittesten Männer der Welt an. In diesem Jahr aber blieb er hinter seinen eigenen Erwartungen zurück. Wie es dazu kam, auf welche Weise er sich für die Games 2020 vorbereitet – und wie er Training und Master-Studium unter einen Hut bringen will, erklärt Lukas Esslinger im Interview.


Text: Matthias Mehl


Die meisten Menschen, die mit CrossFit beginnen, durchlaufen einen ähnlichen Entwicklungsprozess: Die ersten Monate sind geprägt von einem Gefühl der Euphorie – und der Erschöpfung. Mit der Zeit werden dann individuelle Meilensteine erreicht, wie etwa der erste Bar Muscle Up oder die ersten unbroken Double Unders. Ein besonderes Highlight stellt jeweils die Teilnahme an den «Open» dar, dem weltweiten Qualifikationsprozess für die CrossFit Games. Der Event bietet den perfekten Rahmen, um das Community-Gefühl in der Box zu stärken und vielleicht den einen oder anderen Member in einem Workout zu übertrumpfen.


Und dann gibt es Lukas Esslinger. Sein Entwicklungsprozess in Sachen CrossFit verlief anders. Ganz anders: 2011, im Alter von 18 Jahren, entdeckte Esslinger den Sport «CrossFit» für sich. Gerade einmal ein Jahr später fand er sich bereits an den European Regionals wieder – und trat auf dem Competition-Floor gegen die fittesten und erfahrensten CrossFitter des Kontinents an. In seiner Rookie-Season ergatterte sich Esslinger den 44. Platz. 2016 schaffte er es dann erstmals an die CrossFit Games. Seither gehört er zur Functional-Fitness-Weltelite. Dies alles erreichte Esslinger, während er nebenbei in Zürich Wirtschaft studierte.


DropIN traf Lukas Esslinger kürzlich in seiner Home-Box CrossFit Kreis 9, um mit ihm über seine Games Season 2020 und seine Pläne für die Zukunft zu sprechen.


Lukas Esslinger, in diesem Jahr hast du zum vierten Mal in Folge an den CrossFit Games in den USA teilgenommen.  Was bleibt dir von den Games 2019 in Erinnerung?

Ehrlich gesagt denke ich mit gemischten Gefühlen an den diesjährigen Wettkampf zurück. Ich hatte bis dahin eine gute Saison gehabt und war mit meinem Abschneiden an den «Sanctioned Events», also den Qualifikations-Veranstaltungen, grundsätzlich zufrieden. An den CrossFit Games an sich hatte ich dann aber Mühe, meinen Rhythmus zu finden – der neue Modus bereitete mir mehr Mühe als erwartet. 


Du sprichst den neuen Wettkampfmodus an, der an den diesjährigen CrossFit Games erstmals zum Tragen kam. Dieser ermöglichte zwar viel mehr Athletinnen und Athleten die Teilnahme, sah dann aber harte «Cuts» vor, um das Feld schnell wieder zu lichten. Dies sorgte bereits im Vorfeld der Veranstaltung für Stirnrunzeln. Bei dir kam der Cut nach dem vierten Event. Konntest du dein Potenzial abrufen? 

Das ist eine schwierige Frage. Ich hatte definitiv die Möglichkeit und das Potenzial, um in die Top 20 zu gelangen und damit länger im Wettkampf mitzumischen. Doch leider gelang es mir an diesem Wochenende nicht, dieses Potenzial auch tatsächlich auszuschöpfen. Schlussendlich sorgte also nicht nur das harte «Cut-System» für mein verhältnismässig frühes Ausscheiden, sondern auch mein Unvermögen, meine gewohnte Leistung abzurufen. Da bin ich ganz ehrlich. Natürlich kann man immer argumentieren, dass die Reihenfolge der Workouts sowie das gesamte Wettkampfprozedere nicht ideal waren. Doch letztendlich lautet mein Ziel, in Sachen CrossFit zu den Top 10 der Welt zu gehören – und da dürfen solche Faktoren schlicht keine so grosse Rolle spielen. 


In der Vergangenheit konntest du dich jedes Jahr verbessern. Letztes Jahr hast du mit dem 17. Schlussrang deine persönliche Bestleistung gesetzt. Zudem hast du den Marathon-Row für dich entschieden. In diesem Jahr reichte es «nur» für den 34. Platz. Welche Lehren ziehst du daraus?

Es ist leider gar nicht so einfach, aufgrund der diesjährigen Erfahrungen meinen persönlichen Gameplan anzupassen – denn für kommendes Jahr wurde bereits wieder ein neuer Wettkampfmodus angekündigt. Offenbar soll direkt zu Beginn der CrossFit Games ein «Every Second counts»-System zum Tragen kommen. Das erschwert die Vorbereitung merklich. Wir werden sehen, welche Informationen wir Athleten von Seiten CrossFit HQ in den kommenden Monaten erhalten. Davon werde ich wohl letztlich meine Strategie abhängig machen.

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